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Bergretter proben Ernstfall

Besucher vom Lift gerettet

Foto: Helmut Schneider

Nichts geht mehr in der Skiwelt Schöneck, zahlreiche Besucher müssen vom Lift gerettet werden. Am Samstag war dies für Feuerwehr und Bergwacht zum Glück eine Übung. 

Es sind gute zehn Meter, die unser Sessel mit der Nummer 14 über dem Skihang in Schöneck hängt. Und sich seit gut einer Viertelstunde weder vor noch zurück bewegt. Über die Lautsprecher werden wir zur Geduld aufgefordert, an der Anlage sei ein technischer Defekt aufgetreten, die Mitarbeiter bemühen sich um die Behebung. Nur bruchstückhaft sind die weiteren Durchsagen zu verstehen, der Wind pfeift einem um die Ohren. Doch so viel ist nach weiteren 15 Minuten klar - der Lift springt nicht mehr an, jetzt müssen Bergwacht und Feuerwehr die gut 20 Menschen sicher zum Boden bringen.
Statistisch gesehen passiert ähnliches nur ein Mal pro Jahr auf allen Liftanlagen in Deutschland, macht Christian Walter von der Bergwacht Sachsen deutlich.
Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, probten die Schönecker Bergretter am Samstag gemeinsam mit Kollegen aus Klingenthal und Oberwiesenthal sowie der Ortsfeuerwehr und Sanitätern des DRK für diesen - insgesamt 65 ehrenamtliche Helfer waren beteiligt. "Eine solch große Liftübung gab es in Sachsen bisher noch nie. Wir wollen damit auch eine Einheitlichkeit in unser System bekommen, sind gerade dabei, die gesamte Technik und Ausbildung landesweit zu vereinheitlichen", erklärt Walter. Ziel sei es, dass sich die Bergretter im Ernstfall ohne große Erklärungen gegenseitig unterstützen können. Rund ein dreiviertel Jahr haben Jörg Neidhardt und seine Schönecker Kollegen die Übung vorbereitet. "

Das Konzept besteht seit Beginn des Liftbetriebs, kleinere Testläufe haben wir immer wieder durchgeführt. Jetzt wollten wir einmal unseren kompletten Wissensstand abrufen und schauen, ob alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen", sagt der stellvertretende Bereitschaftsleiter und zeigte sich im Anschluss zufrieden mit den Ergebnissen. So sei etwa die Zeitvorgabe von zwei Stunden zwischen Auslösung des Alarms und der Rettung der letzten Person erfüllt worden. Doch Neidhardt sieht auch noch Verbesserungsbedarf. Die Feuerwehr etwa fuhr direkt zur Bergstation, die Freiwilligen aber wunderten sich, dass trotz deren Ankunft lange Zeit nichts passierte. "Normalerweise sollten sich alle Retter erst einmal an einem Punkt treffen, der vom Lift nicht einsehbar ist. Dann muss die genaue Einsatzplanung erfolgen, ehe alle gemeinsam mit der Arbeit beginnen."
Gut eine Stunde sitzen wir zu diesem Zeitpunkt schon auf dem stehenden Sessel, als die Bergwacht die Stufen am Mast erklimmt. Jetzt geht alles relativ schnell. Toni Prager hängt sich ins Seil ein, kommt zu uns und erklärt ruhig das weitere Vorgehen. Eine sogenannte Rettungswindel hilft beim Abseilen - wir schultern sie wie einen Rucksack, die dritte Ecke kommt zwischen die Beine. Durch zusätzliche Schlaufen werden alle drei an einen Karabinerhaken gehängt, dann klappt Prager den Sicherungsbügel hoch. Jetzt heißt es tief durchatmen, nach vorn rutschen und sich fallen lassen. Am Boden gibt Christoph Labs das Seil nach, langsam geht es nach unten. Dann haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. In der Bergwacht Schöneck engagieren sich ausschließlich ehrenamtliche Helfer. Für die Mitarbeit sollte Interesse an den Grundlagen bergsportlicher Tätigkeit wie Klettern, Langlauf und Skifahren bestehen. Die Ausbildung beginnt mit einer zwei bis maximal vierjährigen Anwärterzeit, in der etwa die notwendigen technischen und medizinischen Kenntnisse vermittelt werden.

Freie Presse
erschienen am 11.11.2013 ( Von Anika Heber )

21. November 2013 18:02 Uhr. Alter: 4 Jahre